Den Kalender „Persönlichkeiten in Gera“ für das Jahr 2016 stellte die Stadt heute (9. September) den Medien vor. Er wird von der Stadt herausgegeben und ist erstmals zur Eröffnungsveranstaltung zum Tag des offenen Denkmals, am Sonntag, 13. September, 11 Uhr, im Kultur- und Kongresszentrum verkauft. Danach kann er in der Gera Information am Markt 1a, im Stadtmuseum und im Buchhandel erworben werden. Der Kalender stellt den Einfluss bedeutender Geraer Persönlichkeiten für die Entwicklung der Stadt dar. Die Auswahl der Personen erfolgte auf der Grundlage der städtischen Denkmalliste. Dabei wurde die Verbindung der Lebensleistung der Personen mit den zugehörigen Kulturdenkmalen, wie noch vorhandenen Villen und Industrieanlagen, bis hin zu den sehr repräsentativen Erbbegräbnissen auf den Friedhöfen, wobei kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben wird, in den Mittelpunkt gestellt.

Kalender

Stellen den neuen Kalender „Persönlichkeiten in Gera“ zum Tag des offenen Denkmals“ vor: (von rechts) Baudezernentin Claudia Baumgartner, Grafikerin Katharina Triebe und Sabine Schellenberg von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Foto: Stadtverwaltung/Bastian Müller

In der Gründerzeit entwickelten sich große Firmen mit weltweiten Handelsbeziehungen. Neben der ständig wachsenden Textilbranche siedelten sich der Maschinenbau, die Musikinstrumentenproduktion und andere Produktionszweige an. Mitte des 19. Jahrhunderts war Gera eine der reichsten Städte Deutschlands. Es entstanden Planungen für Stadterweiterungen, Verkehrsplanungen, eine Vielzahl von Verordnungen und Ortssatzungen wurden erlassen, es entwickelte sich der Mietwohnungsbau, großflächige Industrieanlagen entstanden, wie zum Beispiel Websäle unter Shedhallen-Konstruktionen und über 100 Villenbauten. 60 davon stehen heute unter Denkmalschutz. Die Stadt Gera verfügt insgesamt über 2.000 Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Mit der Geraer Unternehmerschaft sind nicht nur die Namen von Persönlichkeiten der Großindustrie mit ihren Produktionsanlagen verbunden, sondern auch hervorragende Architekten und Baumeister der Villengebäude, wie Rudolf Schmidt, Fritz Köberlein, Carl Zaenker oder Robert Fraulob. Für die Industriebauten hat Thilo Schoder zwei Gebäude mit überregionaler Bedeutung entworfen, den Industriebau Golde und die Woll- und Seidenweberei Schulenburg & Bessler.

Die Idee für eine solche gebündelte Darstellung kam Sabine Schellenberg von der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Gang über den Südfriedhof mit seinen über 200 Wandgräbern, die im Zeitraum zwischen 1883 und 1945 dort entstanden sind. Diese Familien haben nach Kriegsende Gera verlassen und nur selten wird dort noch ein Grab gepflegt. Die aufwändige Arbeit der Materialsammlung mit Zusammenstellung der Daten, des Fotomaterials und der Erarbeitung von Textentwürfen übernahm Susann Abraham. Die grafische Aufbereitung wurde durch Andreas Ludwig unterstützt. Beide arbeiteten für dieses Projekt im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes und später ehrenamtlich. Die Diplomdesignerin Katarina Triebe entwarf das graphische Layout. Die Auswahl der Persönlichkeiten bezüglich der Grabstellen übernahm Waltraud Wagner. Der Heimatforscher Roland Knoll stellte Materialien aus seinem Archiv bereit. Allen Beteiligten ein großes Dankeschön von der Stadt. Die Verwendung von Fotos aus der Denkmaltopographie der Stadt Gera wurde vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie erlaubt. Dank gilt auch allen Eigentümern von Kulturdenkmalen. Ebenfalls das Stadtarchiv und das Stadtmuseum beteiligten sich an den Recherchen.

Die Zahl der Persönlichkeiten, die ab 1883 für die Entwicklung der Stadt Gera von Bedeutung waren, und deren Bauwerke heute im Stadtbild überliefert sind, ist viel größer, als auf zwölf Kalenderblättern darstellbar ist. Deshalb ist die Herausgabe eines weiteren Kalenders in Vorbereitung.