Unter dem Motto „Handwerk-Technik-Industrie“ öffnen acht Bauwerke zur Besichtigung, Rundgang durch den Zeitgeist des Barocks, Kalender bedeutender Geraer Persönlichkeiten wird erstmals präsentiert

2%20Villa%20Oeser%20Bastian%20Müller-kleinDer Tag des offenen Denkmals unter dem Motto: „Handwerk-Technik-Industrie“ am Sonntag, 13 September, wird 11 Uhr durch Baudezernentin Claudia Baumgartner im Kultur- und Kongresszentrum Gera eröffnet. Als Gast wird Dr. Nicola Damrich vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie erwartet. Anschließend gibt es stündlich Führungen von Mitarbeitern des Hauses durch das Gebäude. Dr. Gitta Heil gibt Erläuterungen zur Reliefwand „Lied des Lebens“. Das frühere Haus der Kultur ist mit dem Baujahr 1981 nicht nur jüngstes Denkmal in der Denkmalliste der Stadt Gera, sondern es besitzt auch das Alleinstellungsmerkmal für vergleichbare Bauaufgaben in Thüringen. Zu diesem herausragenden Gebäude mit den Merkmalen des Kunsthandwerks, der Bautechnik und der industriellen Bauweise der DDR wird das diesjährige Thema „Handwerk-Technik-Industrie“ beispielhaft erläutert.

Die Stadt Gera verfügt über 500 Kulturdenkmale und 1500 Gebäude in Denkmalensembles. Die hohe Anzahl der qualitätvollen Bauten der Gründerzeit ist mit dem industriellen Aufschwung und dem Wirtschaftswachstum im 19. Jahrhundert entstanden. In der Gründerzeit entwickelten sich große Firmen mit weltweiten Handelsbeziehungen. Neben der ständig wachsenden Textilbranche entfalteten sich u.a. der Maschinenbau, die Textilindustrie und der Musikinstrumentenbau. Mitte des 19. Jahrhunderts war Gera eine der reichsten Städte Deutschlands. Es entstanden Planungen für Stadterweiterungen, Verkehrsplanungen, eine Vielzahl von Verordnungen und Ortssatzungen wurden erlassen, es entstanden Mietswohnungsbau, großflächige Industrieanlagen, wie zum Beispiel Websäle unter Shedhallen-Konstruktionen. Mit der Geraer Unternehmerschaft sind nicht nur die Namen von Persönlichkeiten der Großindustrie mit ihren Produktionsanlagen verbunden, sondern auch über 100 Villenbauten entstanden, 60 davon stehen heute unter Denkmalschutz. Hervorragende Architekten und Baumeister haben prunkvolle Bauten geschaffen. Diesen bedeutenden Geraer Persönlichkeiten hat die Untere Denkmalschutzbehörde einen Kalender für 2016 gewidmet, der zum Tag des offenen Denkmals im Kultur- und Kongresszentrum präsentiert wird.

An der Wasserkunst wird in Verbindung mit dem Mühlgraben die Industriegeschichte des Standortes an der Reichsstraße noch einmal lebendig. Die industrielle Entwicklung erläutern um 13 und 15 Uhr Heimatforscher Roland Knoll und Renate Stachorski.

Ein Schwerpunkt in Gera sind jedes Jahr Villengebäude unter Denkmalschutz. Vielen Bürgerinnen und Bürgern ist die Villa Oeser in der Berliner Straße 40 bekannt. Dort war über 40 Jahre ein Gesundheitszentrum untergebracht. Trotz großer Bauschäden durch den jahrelangen Leerstand ist es dem Eigentümer Markus Ernsberger gelungen, diese Villa zu retten. Gemeinsam mit Partnern hat er ein Sanierungskonzept erstellt. Dabei wurden auch die repräsentativen Ausstattungen im Erdgeschoss vor dem endgültigen Verfall bewahrt. Von 11 bis 17 Uhr ist das Erdgeschoss geöffnet.

Das äußere Erscheinungsbild unserer Stadt hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gewandelt. Zahlreiche Gebäude wurden saniert, Missstände beseitigt und viele Nutzungsänderungen vollzogen. Im Stadtzentrum ist das besonders deutlich. Zu einem Rundgang durch den Zeitgeist des Barocks lädt Sabine Schellenberg um 12.30 Uhr und 14.30 Uhr die Besucher ein. Treffpunkt ist am Simsonbrunnen. Erläutert werden die Entstehung und Geschichte der Gebäude am Markt und in der Großen Kirchstraße.

Programm_2015_003.cdrEine besondere Erfahrung unter Tage wird 11 Uhr, 13 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr durch den Verein zu Erhaltung der Geraer Höhler e.V. in der Greizer Straße angeboten. Die Höhler sind dort sonst nicht öffentlich zugängig. Für den Abstieg ist festes Schuhwerk erforderlich.

Gespannt sein können die Besucher auch auf die Amthorsche Handelsschule. Eduard Amthor war der Begründer der Wirtschaftsschule in Gera. Aus heutiger Sicht ist sie die erste überregionale private Fachhochschule für Betriebswirtschaft in Gera. Die barocke Ausstattung kann im Kern des Hauses mit Eingangsbereich, korbbogigen Treppenhausgestaltungen und barockem Treppenlauf von 11 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Eingang von der Humboldtstraße liegt in der symmetrisch angelegten Parkanlage. Die DKB-Bank als Mieter wird die Besucher empfangen.

Zum Thema Kirchensanierung sind in den Kirchen Thränitz und Trebnitz Baumaßnahmen abgeschlossen. Von 11 bis 17 Uhr sind die Kirchen geöffnet. Die Kirche St. Trinitatis bietet 14 und 16 Uhr Führungen zu den „Spuren der Reformation“ an. Der Bau der Trinitatiskirche erfolgte in der Zeit der Renaissance um 1611 mit Bemalung der Kassettendecke im Innenraum mit frühbarocker Gestaltung. Wertvolle Ausstattungselemente im Innenraum sind erhalten. Um 17 Uhr findet ein Abendgottesdienst statt.