11. Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie

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11. Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie

Von | 2015-09-23T07:15:05+00:00 23 September 2015|Kategorien: Allgemein|Tags: , , , , |

Erster Preis geht an den Leipziger Fotografen Daniel Poller – Ausstellung der preisgekrönten Fotografien im Museum für Angewandte Kunst Gera vom 23. September bis 15. November

Der 11. Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie wird heute Abend (22. September, 19 Uhr) an den Leipziger Fotografen Daniel Poller im Museum für Angewandte Kunst Gera verliehen. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert. Der zweite Preis mit 1.500 Euro geht an Charlotte Sattler (Leipzig) und Maria Irl (Gießen) für ein Gemeinschaftsprojekt. Alexander Krack aus Berlin erhält den mit 1.000 Euro verbundenen dritten Preis. Zusätzlich vergab die Jury vier Anerkennungen, die jeweils mit 500 Euro dotiert sind, an folgende Autoren und Autorinnen: Paul Altman (Leipzig), Jürgen Bergbauer (Straubing), Aras Gökten (Berlin) sowie Melanie Hübner (Berlin). Gleichzeitig wird die Ausstellung „11. Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie“ eröffnet. Vom 23. September bis 15. November sind zirka 200 Fotografien der Wettbewerbsteilnehmer im Museum für Angewandte Kunst zu sehen.

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Daniel Poller vor seiner Arbeit „durch einfache Krafteinwirkung“ (Stadtverwaltung/ Monique Pucher)

„Mit ständig steigender Zahl der Bewerbungen, vor allem junger Fotografen, hat sich der Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie zu einem der wichtigsten Fotopreise in Deutschland entwickelt. Allen Preisträgern des 11. Aenne-Biermann-Preises für deutsche Gegenwartsfotografie gratuliere ich herzlich und wünsche für die weitere fotokünstlerische Laufbahn viel Erfolg und persönlich alles Gute“, so Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn. „Ich danke für die großzügige und engagierte Unterstützung des Projektes dem Mitveranstalter SV SparkassenVersicherung/ Kulturförderung, dem Freistaat Thüringen sowie allen weiteren Partnern für erwiesene Sach- und Geldleistungen.“

In diesem Jahr beteiligten sich an der Ausschreibung 95 Einsender mit insgesamt 172 Arbeiten, bestehend aus Serien und originalfotografischen Büchern. Aus ihnen wählte die Jury, zu ihr gehören Clara Bahlsen (Berlin), Dr. Verena Titze (Wiesbaden), Ulrich Domröse (Berlin), Holger Peter Saupe (Gera) und Thomas Weski (Leipzig), die Preisträger- und Anerkennungsfotos aus. Die inhaltlich wie formal breite Spannbreite der gezeigten Exponate reicht von der subjektiven Reportagefotografie über das Ausloten aktueller Lebenswelten bis hin zur Thematisierung des Umganges mit dem fotografischen Bild. Arbeiten, die sich mit der fotografischen Bestandsaufnahme des Lebens beschäftigen oder die philosophische Ausdeutung öffentlicher Räume verhandeln, komplettieren die Ausstellung. Die diesjährige Ausstellung ist geprägt von einer stark subjektiv betriebenen Erforschung der Wirkungsweise des fotografischen Bildes. Allen Arbeiten gemein ist die Abkehr bloßer fotografischer Abbilder von Welt durch intensive Reflexion künstlerischer Konzeptionen.

Der seit 1992 biennal stattfindende Wettbewerb hat sich zu einem der wichtigsten Fotopreise in Deutschland entwickelt. Benannt wurde dieser deutschlandweite Wettbewerb, der nun zum elften Mal stattfindet, nach der früher in Gera lebenden und arbeitenden Fotografin Aenne Biermann (1898-1933), die zu den wichtigsten Vertreterinnen der Neuen wie auch der Neusachlichen Fotografie gehört. Seine Geschichte repräsentiert auch die Geschichte der jüngeren deutschen Fotografie seit mehr als 20 Jahren.

Seit 2003 steht die SV SparkassenVersicherung der Stadt Gera als offizieller und gleichberechtigter Mitveranstalter zur Seite und zeichnet sich dadurch nicht nur als ein wesentlicher finanzieller Unterstützer aus. Zudem fördert von Anfang an der Freistaat Thüringen diesen Wettbewerb maßgeblich und auch in diesem Jahr ermöglichte das Druckhaus Gera die Herstellung des Ausstellungskataloges. Die Kontinuität des Wettbewerbes ist vor allem der engagierten Zusammenarbeit dieser drei Partner zu verdanken.

Die Ausstellung ist im Museum für Angewandte Kunst Gera, Greizer Straße 37, Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen, 12 bis 17 Uhr, zu sehen.

Charlotte Sattler reichte die Arbeit „anders normal – Leben mit Down-Syndrom” ein  (Stadtverwaltung/ Monique Pucher)

Charlotte Sattler reichte die Arbeit „anders normal – Leben mit Down-Syndrom” ein (Stadtverwaltung/ Monique Pucher)

Auszug aus der Begründung der Jury für die Preisverleihung an die ersten drei Preisträger des 11. Aenne-Biermann-Preises für deutsche Gegenwartsfotografie

1. Preis, Daniel Poller (Leipzig)
Seine Arbeiten „durch einfache Krafteinwirkung“ sowie „field notes of fences“ überzeugten die Jury durch ihre konsequente Durchbrechung der dokumentarischen Perspektiven des Mediums Fotografie und einer darauf aufbauenden durchdachten bildnerischen Konstruktion von Wirklichkeit. Daniel Poller überwindet durch seine fotografische Arbeitsweise nicht nur festgefahrene Sehgewohnheiten und Konventionen, sondern er bindet den aufmerksamen und unvoreingenommenen Rezipienten mit ein in einen spielerischen Prozess des Erkenntnisgewinns und ermöglicht so neue Sichtweisen auf die Welt.

2. Preis, Charlotte Sattler (Leipzig) und Maria Irl (Gießen)
Maria Irl (Gießen) und Charlotte Sattler (Leipzig) erhalten für ihre Serie „anders normal – Leben mit Down-Syndrom” den 2. Preis. In ihrer vierteiligen Arbeit stellen sie nicht den Leidensaspekt von vier Menschen mit Behinderung in den Vordergrund – vielmehr berichten die beiden Bildautorinnen in ihren unaufgeregten Porträts mit eindrucksvoller Aufrichtigkeit und Empathie vom Alltag behinderter Menschen, ohne dabei in vorgefertigte Klischees zu verfallen. Durch die niedrigschwellige Ehrlichkeit, mit der sich die Fotografinnen ihrem Thema widmen, wird der Betrachter Teil eines Dialoges mit Menschen, die Glück und Lebensfreude ausstrahlen und keineswegs in einer hermetisch abgeschlossenen Welt leben.

3. Preis, Alexander Krack (Berlin)
Mit dem 3. Preis bedachte die Jury in diesem Jahr Alexander Krack aus Berlin. Der Fotograf berichtet in seinem Buchprojekt „morgens nüchtern, am Brunnen, zu Bett“ über den Mikrokosmos moderner Kurorte. Dabei offenbart der Fotograf einen ausgeprägten Sinn für feine Skurrilitäten im Alltäglichen. Mit einer scheinbar beiläufig daherkommenden Bildsprache und einem leisen Humor, der niemanden bloßstellt, kreiert er Fotos, die beim Betrachter durch ihre narrativen Bildfindungen Lust zum Schauen erwecken, obwohl oder aber weil sie sich oftmals einer eindeutigen Zuordnung entziehen