Nach dem Theater Magdeburg bringt jetzt Theater&Philharmonie Thüringen Lutz Seilers preisgekrönten Roman „Kruso“  auf die Bühne. Die Uraufführung in der Fassung von Petra Paschinger  ist am Freitag, 6. November, um 19.30 Uhr im Großen Haus der Bühnen der Stadt Gera. Die zweite Vorstellung gleich am Sonntag, 8. November, um 14.30 Uhr.
Theatergänger und Literaturbegeisterte dürften gleichermaßen gespannt sein. Lutz Seilers lyrische Sprache kommt auf jeden Fall nicht zu kurz; es wird nur Originaltext aus dem Buch verwendet, wie Petra Paschinger verriet. Der Autor wird zur Premiere erwartet.
Zur Geschichte: Edgar Bendler, genannt Ed, sucht 1989 ein Refugium auf Hiddensee. Er heuert als Abwäscher im Ausflugslokal „Zum Klausner“ an. Die stupide Arbeit soll ihn von Erlebnissen ablenken, die ihn erschüttert haben: Seine Freundin ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Die Mitarbeiter des Klausners haben allesamt eine Vergangenheit, über die niemand sprechen mag. Jeder sucht auf Hiddensee Hoffnung und ein neues Leben. Alexander Krusowitsch, genannt Kruso, schweißt das Team zusammen. Er hat seine Schwester bei einem Fluchtversuch über die Ostsee verloren. Seitdem versuchen er und seine Kollegen, Republikflüchtlinge von ihrem lebensgefährlichen Plan abzuhalten. Sie nehmen die „Schiffbrüchigen“ einige Tage in ihren Kreis auf und führen sie auf den „Weg zur Freiheit“.
Vor der Folie dieser Zeit beschreibt der mit dem Deutschen Buchpreis 2014 ausgezeichnete Roman des Geraers Lutz Seiler eine außergewöhnliche Männerfreundschaft. Poetisch und philosophisch entfaltet sich der Kosmos hart arbeitender Saisonkräfte, die eine Vision haben. Zwischen Spülbecken und Erdreich werden Räume der Begegnung und der Freiheit geschaffen, die den Zuschauer auf eine geheimnisvolle Reise in die ganz eigene Welt der Insel mitnehmen.
Regie führt Caro Thum, die bei Theater&Philharmonie Thüringen bereits Fontanes „Effi Briest“ und „Kassandra“ nach Christa Wolf erfolgreiche in Szene setzte. Schauspieldirektor Bernhard Stengele übernimmt die Rolle des Kruso. In den weiteren Rollen: Manuel Kressin (Ed), Christiane Nothofer
(G., Sonja, C., Viola), Bruno Beeke (Rimbaud, Rebhuhn, Russ. Soldat, Esskaa 2), Ulrich Milde (Krombach, Küsser, Rommstedt, Russ. General), Manuel Struffolino (Cavallo, Transportpolizist, Nachbar, Vosskamp, Soldat 1, Esskaa 1), Thorsten Dara (René, Der gute Soldat, Esskaa 3)
Marianne Hollenstein zeichnet für die Ausstattung verantwortlich und Heinrich Diemer für die Musik.
Karten sind noch erhältlich.

In enger Zusammenarbeit mit der Stasi-Unterlagen-Behörde Gera wird ein Begleitprogramm zu „Kruso“  angeboten. Zwischen 1961 und 1989 wagten über 5600 DDR-Bürger den Fluchtversuch über die Ostsee. Ein ausgeklügeltes Überwachungsnetz an den Stränden versuchte dies zu verhindern.
Die Insel Hiddensee war einerseits eine Oase vieler Intellektueller und Künstler, andererseits streng bewachtes Sperrgebiet. Im Spiegelfoyer ist dazu eine Ausstellung zu sehen.
Vor der Premiere am Freitag wird um 16.00 Uhr zu einer Führung „Unterwegs im Archiv“ in die BStU Gera eingeladen. Von 17.00 Uhr bis 18.00 Uhr läuft dort dann der Film „Kurzer Prozess – Eine Seefahrt in den Stasi-Knast“ im Großen Saal. Der Dokumentarfilm berichtet über eine Gruppe Jugendlicher, die ein harmloser Scherz ins Gefängnis brachte. Im August 1961 unternahm eine Gruppe Jugendlicher eine Fahrt mit einem Ausflugsdampfer über die Ostsee. Die jungen Leute erlaubten sich einen Scherz und schrieben einen Zettel an den Kapitän, darauf äußerten sie die „untertänigste Bitte“ zur dänischen Insel Bornholm zu fahren. Aus dem Spaß wurde bitterer Ernst.
Außerdem wird in der BStU-Außenstelle Gera noch bis 4. Dezember die Ausstellung  „Hoffnungsträger oder Staatsfeind? DDR-Jugend und Stasi an der Ostsee“ gezeigt: Mo – Fr: 08.00 Uhr – 17.00 Uhr. Der Eintritt ist frei!

Zum nächsten Theatercafé lädt die Gesellschaft der Theater- und Konzertfreunde Gera e. V. am Samstag, 7. November, um 14.30 Uhr, in die Bühne am Park ein. Zu Gast bei Günter Markwarth sind an diesem Nachmittag zwei seiner Kollegen aus dem Musiktheater, Christel Loetzsch und Alexander Voigt. In der neuen Operetten-Inszenierung „Viktoria und ihr Husar“ wie auch im „Rosenkavalier“ von Richard Strauss kann man die drei gemeinsam auf der Bühne erleben. Kapellmeister Thomas Wicklein begleitet sie bei den musikalischen Kostproben, die sie geben werden, am Klavier.
Die Mezzosopranistin Christel Loetzsch wurde in Annaberg-Buchholz geboren. Nach ihrem Abitur studierte sie zuerst an der Musikhochschule FRANZ LISZT in Weimar, dann, durch die Junge Musikerstiftung Bayreuth unterstützt, am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand.
2012 gab sie ihr Debüt in der Arena di Verona als Zerlina in Mozarts Don Giovanni. Danach war sie zwei Spielzeiten Mitglied des jungen Ensembles der Semperoper Dresden. Bevor sie zu Beginn dieser Spielzeit ihr Engagement bei uns antrat, war sie am Théâtre de la Monnaie in Brüssel für die Uraufführung der Oper Penthesilea engagiert.
Alexander Voigt ist hier kein Unbekannter mehr, gehörte er doch in der Spielzeit 2012/13 bereits zum Musiktheaterensemble von Theater&Philharmonie Thüringen. Jetzt ist er nach spannenden Gastengagements wieder fest ins Ensemble zurückgekehrt.
Karten für das Theatercafé sind zum Preis von 12 € inklusive Kaffee bzw. Tee und Kuchen sowie einem Glas Sekt in der Pause oder zum Preis von 8,- Euro ohne Kaffeegedeck und Sekt an der Theaterkasse erhältlich.

Für Kinder ab 6 Jahre spielt Sabine Schramm am Samstag, 7. November, um 16 Uhr im Puppentheater ein weniger bekanntes Märchen der Brüder Grimm: es heißt “Der Trommler” und erzählt vom wilden Jungen, der am Glasberg die Liebe findet . Das ist nicht nur eine Liebesgeschichte für kleine Mädchen, sondern durchaus auch für Jungs eine Herausforderung mit Riesen, Hexen und unglaublichen Hindernissen.

Am Samstag ist die zweite von vier Ringlesungen aus dem „Zyklus des Unsichtbaren“ angesagt. Initiiert vom Puppentheater werden Erzählungen von Éric-Emmanuel Schmitt vorgestellt, die Religionen zu entdecken suchen. Am 7. November um 17.00 Uhr ist das Christentum an der Reihe. Marcella von Jan liest „Oskar und die Dame in Rosa“ in der St. Marienkirche Gera. Das Nachgespräch leitet Pfarrer Dr. Hiddemann. Die Ringlesung wird im Rahmen des Bundesprogrammes Demokratie leben! gefördert. Der Eintritt ist frei!