Bibliothek Bibliotheksfassade

Außenansicht der Bibliothek am Puschkinplatz Foto: Bibliothek/Jenny-Alexandra Hauptmann

Im 95. Jahr ihres Bestehens zählte die Geraer Bibliothek rund 110.000 Besucher und 430.000 Entleihungen – 8.000 neue Medien konnten erworben werden

Am 20. Oktober feierte die Geraer städtische Bibliothek am Puschkinplatz ihren 95. Geburtstag. Von „Altersschwäche“ keine Spur. Aktuelle Sachbücher und vielgefragte Romane, Hörbücher, Musik-CDs und neue Spielfilme auf DVD erwarten die Besucher. Insgesamt rund 8.000 Medien hat die städtische Einrichtung im zurückliegenden Jahr neu erworben. Ermöglicht wurde das durch die Bereitstellung von Fördermitteln durch den Freistaat Thüringen. Rund zwei Drittel des Medienetats wurden für Printmedien ausgegeben: Romane, Sachbücher, Zeitschriften sowie Kinder- und Jugendliteratur. Damit kommt die Bibliothek auch den Wünschen ihrer Leser nach, bei denen das traditionelle Buch noch immer hoch im Kurs steht. Gleichzeitig leistet sie mit der Bereitstellung aktueller Kinderliteratur einen wichtigen Beitrag zur Leseförderung.

Insgesamt kann die Stadt- und Regionalbibliothek Gera auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurückschauen: Bis 30. November verzeichnete die Geraer Bibliothek rund 430.000 Entleihungen und 110.000 Besucher. Vielfältige Veranstaltungen lockten 2015 zahlreiche Besucher in die Bibliothek, darunter der monatlich stattfindende Treffpunkt Bibliothek, der Geraer Bücherfrühling, Autorenlesungen mit U.S. Levin, dem „Magazin“-Kolumnisten Stefan Schwarz, SPIEGEL-Redakteur Marcel Rosenbach, dem Kabarettisten Ulf Annel und zahlreichen regionalen Autorinnen und Autoren, eine Multimediapräsentation von Secret Earth, ein veganer Kochabend mit der Erzeuger- & Verbrauchergemeinschaft Gera-Greiz e.V. und dem Köstritzer Bierhaus Gera, das erste ADAKIA-Verlagsfestival sowie der alljährliche Weihnachtsmarkt. Bereits zum fünften Mal gastierten die Geraer Songtage in der Bibliothek, beim Konzert des kanadischen Singer/Songwriter Martin Gallop blieb kein Stuhl unbesetzt. Auch Hans Thiers, Kriminalrat a.D., sorgte mit seinen Buchpräsentationen der „Mordfälle im Bezirk Gera“ zweimal für ausverkauftes Haus. Zu den Ausstellungshöhepunkten zählten die Präsentation „Sign of the Times – Zeitzeichen“ mit Arbeiten von Studenten der Fachrichtung Typographie & Design am Ausbildungszentrum „Rijn IJssel“ Arnheim, die Ausstellung „Das Beste aus 60 Tagen“ mit gezeichnetem Humor von Cartoonist Bernd Zeller und der zum vierten Mal frisch angerichtete „Osterländer Kunstsalat“ mit Schülerarbeiten aus dem Osterlandgymnasium.

Schon den Jüngsten Bücher und Bibliotheken nahe zu bringen, war und ist ein Schwerpunkt der Bibliotheksarbeit. Kindertagesstätten und Schulen gehören daher zu den festen Partnern der Bibliothek. Mit elf Schulen und elf Kindertagesstätten gibt es aktuell Kooperationsvereinbarungen, zwei davon wurden in diesem Jahr neu abgeschlossen. Auch die Zahl der Veranstaltungen für Kinder konnte noch einmal erhöht werden. Im Durchschnitt jeden zweiten Tag fand eine Veranstaltung für die jüngsten Bibliotheksbenutzer statt. An den über 240 altersgerecht gestalteten Bibliothekseinführungen, Lesungen und Themenveranstaltungen im Stammhaus am Puschkinplatz und in der Stadtteilbibliothek Lusan nahmen insgesamt rund 4.500 Kinder teil. Der frühe Kontakt mit Büchern trägt entscheidend zum schulischen Erfolg und zu einer guten ganzheitlichen Entwicklung bei. Die Geraer Bibliothek beteiligte sich 2015 daher an mehreren Projekten, die der Sprach- und Leseförderung bereits im Kindergarten dienen.

Bei dem Projekt „Mit dem Ting-Stift Bücher neu erleben“, gefördert vom Sozial- und Umweltfond der EGG, wird spielerisch mit digitaler Technik der Zugang zu Büchern erleichtert. Die entsprechenden Stifte und Bücher konnten über dieses und ein weiteres Projekte finanziert werden, denn auch das Projekt „Lesen macht stark“ des Deutschen Bibliotheksverbands und der Stiftung Digitale Chancen verbindet Lesen und digitale Medien. Zur Auftaktveranstaltung am 2. Dezember erlebten Mädchen und Jungen der Kita „Kinderparadies“ das Bilderbuchkino „Pippilothek. Eine Bibliothek wirkt Wunder“ auf der Leinwand in der Kinderbibliothek – und waren begeistert. Im Rahmen von „Ich bin ein Leseheld“ in Kooperation mit des Borromäusverein tauchten 12 Jungen und vier Mädchen der Kita „Haus des Kindes“ an vier Tagen in der Bibliothek in die Abenteuerwelt des Lesens ein. Sie lauschten den Geschichten, die Thomas Köcke, staatlich anerkannter Erzieher, und Jan Häßelbarth, der Papa eines Jungen, ausdrucksstark und lebendig vortrugen, bastelten und malten zu dem Gehörten und erhielten am Ende eine Urkunde als echte „Lesehelden“. „Bibliothek ist cool“, so die Aussage der meisten Besucher. Sie wollen wiederkommen. Für die Allerkleinsten heißt es jeden Samstag um 10.30 Uhr in der Kinderbibliothek „Bücher beißen nicht“ Im wöchentlichen Wechsel lesen zehn Vorlesepatinnen Geschichten für Kinder ab vier Jahren – ein von Familien gern angenommenes Angebot.

Für das kommende Jahr wird bereits geplant. Es sind längst nicht alle Lücken in den Regalen gefüllt und noch so mancher Leserwunsch ist offen. Über eine bessere Präsentation der Medien wird nachgedacht. Mit der Einführung einer neuen Bibliothekssoftware im ersten. Quartal 2016 wird der Service für Bibliotheksbenutzer entscheidend verbessert. Neben erleichterter Mediensuche und einer modernen Bildschirmpräsentation kann zukünftig auch jeder Leser automatisiert per E-Mail u.a. über anstehende Medienrückgabetermine, vorbestellte Bücher oder die fällige Jahresgebühr informiert werden. Ausstellungen und Lesungen sind in Vorbereitung. Erstmals seit vielen Jahren wird der Geraer Bücherfrühling 2016 wieder als gemeinsame Veranstaltung der Bibliothek mit Geraer Buchhandlungen und Verlagen vorbereitet.

Das Veranstaltungsjahr in der Bibliothek beginnt am Dienstag, 5. Januar, 17 Uhr, mit dem Treffpunkt Bibliothek. Mirko Pohl ist zu Gast und berichtet von seiner Reise durch Neuseeland. Er hatte sich Ende 2014 mit seiner Familie auf den 36-stündigen Weg gemacht von Gera nach „Aotearoa“ – in das „Land der langen weißen Wolke“, wie die Ureinwohner Neuseeland nennen. Mit einem Wohnmobil erkundeten sie das Land und legten dabei in dreieinhalb Wochen über 3.000 km zurück – von Auckland auf der Nordinsel bis Christchurch auf der Südinsel. Im Treffpunkt Bibliothek zeigt er beindruckende Fotos, die den Reiseverlauf dokumentieren und ein Bild davon vermitteln, dass dieses Land in jeder Hinsicht einzigartig ist und gleichzeitig von faszinierender Vielseitigkeit.

Die erste Abendveranstaltung im neuen Jahr ist eine Lesung in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Alwin Meyer liest am Dienstag, 26. Januar, 19.30 Uhr, aus seinem Buch „Vergiss Deinen Namen nicht – Die Kinder von Auschwitz“. Sie wurden mit ihren Familien nach Auschwitz verschleppt oder kamen dort unter unvorstellbaren Bedingungen zur Welt. Nur wenige haben überlebt. Alwin Meyer hat über Jahrzehnte hinweg die Kinder von Auschwitz gesucht, einfühlsam mit ihnen gesprochen und ihr Vertrauen gewonnen. Viele erzählen zum ersten Mal vom Lagerleben, von einer Kindheit, in der Tod immer präsent und nie natürlich war – ein berührendes Buch gegen das Vergessen.

Das Ausstellungsjahr eröffnen zwei Fotopräsentationen. Die Bibliothek erinnert in ihrem traditionellen Jahresrückblick an Veranstaltungshöhepunkte, Gäste und Projekte im vergangenen Jahr und Michael Rentsch vom Fotografie-Kurs für Fortgeschrittene der Geraer Volkshochschule zeigt Geraer Momentaufnahmen. Mehr Informationen zur Bibliothek unter: www.biblio-gera.de.