Ortstermin auf der künftigen Baustelle für den Campus Rutheneum mit Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn, Prokuristin Sylvia Biereigel von der GWB „Elstertal“ und Bauleiter Ulf Dietrich vom Containerdienst Adler. Im Hintergrund der leerstehende Plattenbau Reichsstraße 1a/b, der ab Montag (23. 5. 2016) abgerissen. Foto: Stadtverwaltung/Uwe Müller


Der Abriss des leerstehenden Plattenbaus Reichsstraße 1a/b ist ein sichtbares Zeichen, dass es mit dem Schulbauprojekt vorangeht

Am Montag beginnt der Abriss des Plattenbaus Reichsstraße 1a/b. Der 23. Mai 2016 geht damit als Baubeginn für den Campus Rutheneum in die Annalen der Stadt ein. Ziel ist es, beide Schulteile des Goethegymnasiums/Rutheneum seit 1608 im Bereich Johannisplatz/Burgstraße/Reichsstraße zusammenzuführen.

„Das ist ein sichtbares Zeichen, dass es mit dem Campus Rutheneum vorangeht“, freut sich Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn. Umfangreiche Voraussetzungen waren dafür zu schaffen, verschiedene Finanzierungsquellen zu erschließen. Am Montag wird zunächst die Baustelle eingerichtet. Dann beginnt die Entkernung des Gebäudes, das dann in den Sommermonaten abgerissen wird. Im September, so sieht es der Zeitplan vor, soll diese Maßnahme abgeschlossen sein.

In Gera ist mit dem Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 eines der ältesten und traditionsreichsten humanistischen Gymnasien Deutschlands beheimatet: An seinen Musikspezialklassen lernen nicht nur Schülerinnen und Schüler aus Gera, sondern aus ganz Thüringen und weit darüber hinaus. Täglich können in der Innenstadt Passanten lauschen, wenn in der Schule fleißig geprobt wird. Der Konzertchor ist weltbekannt: Im Frühjahr 2015 wurde er als einer der vier besten Jugendchöre in die Carnegie Hall nach New York eingeladen – und kehrte mit einer Goldmedaille zurück.

Im Kontrast zu den brillanten pädagogischen und künstlerischen Leistungen stehen die baulichen Bedingungen des Gymnasiums. Während der Schulteil am Johannisplatz nach der Wende vorbildlich saniert wurde, sind im Schulteil Nicolaiberg Räume, darunter die Aula, seit Jahr und Tag baupolizeilich gesperrt. Endlich zeitgemäße Lern- und Lehrbedingungen an dem Gymnasium zu schaffen, ist eines der Schulbauvorhaben in Gera, für dessen Umsetzung am Montag ein wichtiger Markstein gesetzt wird.
Für den Abriss des Gebäudes Reichsstraße 1a/b sind 500.000 Euro Fördergelder gesichert, so dass hierfür die Stadt keinen einzigen Cent aufbringen muss. Im vergangenen Jahr sind bereits die Mieter ausgezogen, darunter auch die Teile der Stadtverwaltung, die hier untergebracht waren. Positiver Nebeneffekt: Die Stadtverwaltung konzentriert sich auf weniger und vor allem eigene Gebäude, um Kosten zu sparen.

Zum Tag der Städtebauförderung im Mai 2015 hatte Oberbürgermeisterin Dr. Hahn die Bewerbung der Stadt mit dem Campus Rutheneum für das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ bekanntgegeben. Die Bewerbung war erfolgreich und der Campus wurde unter mehr als 160 Kandidaten als Premiumprojekt ausgewählt. Am 17. Dezember 2015 wurde der Fördermittelbescheid erteilt. Die Förderung beläuft sich auf 2,7 Millionen Euro, so dass eine Gesamtsumme von 3.002.250 Euro für die Sicherung des ehemaligen reußischen Regierungsgebäudes – dieses wurde 2009 vom Freistaat Thüringen der Stadt übertragen – zur Verfügung steht; mit dieser Sanierung wird gleichzeitig ein städtebaulicher Missstand behoben. Die Erarbeitung der Aufgabenstellung zum Leistungswettbewerb für die Leistungsbilder Objektplanung Gebäude und Innenräume sowie die Fachplanung Tragwerk erfolgte. Der Rechnungsprüfungs- und Vergabeausschuss der Stadt hat am 28. April 2016 den Vergabevorschlag für die Planungsleistungen bestätigt. Wenn der Haushalt, der vom Stadtrat im März beschlossen wurde, genehmigt ist, kann als nächster Schritt das Vergabeverfahren zur Erstellung der Leistungsphase 3 für das Gesamtprojekt gestartet werden. Das Projekt Campus Rutheneum wird auch in der Ausstellung vorgestellt, die zum Tag der Städtebauförderung am 21. Mai 2016 in der SRH-Fachhochschule für Gesundheit am Hofwiesenpark gezeigt wird.

Im Haushalt 2016 sind rund 3,64 Millionen Euro für den Campus vorgesehen, davon 1,8 Millionen Euro aus dem Verkauf des ehemaligen Bergarbeiterkrankenhauses. Finanziert werden davon u.a. die notwendigen 1,1 Millionen Euro Planungskosten. Im vierten Quartal 2016 beginnen die Sicherungsarbeiten am reußischen Regierungsgebäude, die bis Ende 2017 laufen. Der Neubau der Schulturnhalle soll ab dem zweiten Quartal 2017 erfolgen und Anfang 2018 abgeschlossen sein. Der Neubau des Schulgebäudes startet im ersten Quartal 2018 und soll Mitte 2019 fertig sein. Die Sanierung des ehemaligen reußischen Regierungsgebäudes steht im Jahr 2019 an.

Doch nicht nur schulische und bauliche Belange verkörpert das Campus-Projekt, es ist auch in hohem Maße identitätsstiftend für die Stadt. Schulgründer ist Heinrich Posthumus Reuß gewesen – ein Landesherr, der im 17. Jahrhundert seiner Zeit weit voraus war. Er gehört zu den großen historischen Persönlichkeiten, die Gera geprägt haben. Er gründete das Gymnasium, förderte die Wirtschaft, machte Gera zu einer weltoffenen Stadt, indem er calvinistische Flüchtlinge holte, die Unternehmen aufbauten.

Der Campus Rutheneum ist nicht die einzige aktuelle Schulbaumaßnahme. Fast acht Millionen Euro will die Stadt Gera dieses Jahr in Schulbauten investieren. Vorgesehen sind Mittel für das Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608, die Grundschule 14, die Integrierte Gesamtschule, das Liebegymnasium, die Ostschule, die Staatliche Berufsbildende Schule Gesundheit, Soziales und Sozialpädagogik sowie das Zabelgymnasium. Von den insgesamt rund acht Millionen Euro kommen fünf Millionen Euro aus dem Verkauf des ehemaligen Bergarbeiterkrankenhauses. Die größte Summe aus dem Verkaufserlös soll mit 2,028 Millionen Euro für die Ostschule bereitgestellt werden. 1,8 Millionen Euro aus dieser Einnahme kommen dem Campus Rutheneum zugute, 650.000 Euro der Grundschule Bieblacher Hang und 522.000 Euro dem Karl-Theodor-Liebe-Gymnasium.

Ortstermin auf der künftigen Baustelle für den Campus Rutheneum mit Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn, Prokuristin Sylvia Biereigel von der GWB „Elstertal“ und Bauleiter Ulf Dietrich vom Containerdienst Adler. Im Hintergrund der leerstehende Plattenbau Reichsstraße 1a/b, der ab Montag (23. 5. 2016) abgerissen