Das Museum für Angewandte Kunst Gera zeigt vom 15. Juli 2016 bis 3. Oktober 2016 eine neue Sonderausstellung unter dem Titel „Ansichtssachen – Bilder von Frank Rüdiger“ in den Räumen des Ferberschen Hauses. Aus Anlass des 60. Geburtstages widmet das Museum dem Geraer Fotografen diese Präsentation. Zu sehen sind Fotografien, Fotografiken und Fotocollagen der letzten zehn Jahre. Rüdiger, 1956 in Gera geboren, studierte Museologie in Leipzig. Bereits seit den 1970er-Jahren beschäftigte er sich autodidaktisch mit der Fotografie und belegte 1989/1990 diesen Studiengang an der Spezialschule für Fotografie an der Landesschule für Kultur in Rudolstadt bei Ulrich Fischer. Es folgen erste Teilnahmen an internationalen Fotopleinairs und Arbeitsaufenthalte unter anderem in den Niederlanden. 1991 entschied sich Frank Rüdiger für die Tätigkeit als freiberuflicher Fotograf. Darüber hinaus ist er bis heute leidenschaftlicher Publizist unter anderem für die Fotohistorie der Stadt Gera. Besondere Anerkennung erwarb sich Rüdiger durch die Forschung zum Werk der Geraer Fotografin und Protagonistin der Neuen Fotografie Aenne Biermann (1898-1933). Als erfahrener Ausstellungskurator entwickelte er maßgeblich das Konzept für den alle zwei Jahre vergebenen Aenne-Biermann-Preis im Museum für Angewandte Kunst.

Rüdigers fotografisches Werk ist vielfältig. Mit zirka 200 Arbeiten gibt die Ausstellung im Ferberschen Haus einen umfassenden Einblick in das Schaffen des vergangenen Jahrzehnts. Einen besonderen Schwerpunkt stellen die in den Jahren zwischen 2001 und 2015 entstandenen Aufnahmen von London dar. Seit Mitte der 1990er-Jahre reist der Fotograf regelmäßig nach Großbritannien. Als wichtige Inspirationsquelle ist das Land zu seiner zweiten Heimat geworden. Die hier entstandenen Fotografien gehören neben den Bildern zum Thema Jazz aus den 1980er-Jahren zu den Werken von besonderer Sensibilität. In außerordentlicher Lebendigkeit hält der Fotograf Momente von großer Atmosphäre und Stimmung fest. Neben den Ansichten von urbanen Lebensräumen und strengen Architekturlandschaften stehen immer auch spontane Porträtaufnahmen, die das Bild einer Stadt verkörpern. Die teilweise skurril anmutenden Aufnahmen erzählen auf eindringliche und äußerst ehrliche Art und Weise vom Charakter und der Mentalität einer Region. Rüdiger versteht es unaufdringlich kleine Alltagsmomente im Bild zu bannen. Auch die Studienaufenthalte in Rom, Nürnberg und Krakau schildern profund den Mikrokosmos großer Metropolen. Rüdiger gelingt es in seinen Fotografien von Menschen und Orten in eindringlicher Weise zu erzählen. Es sind Schilderungen von einem der beobachten kann ohne zu zensieren.

Eine besondere Serie stellen die „Quitzöbeler Reminiszenzen“ aus dem Jahr 2011 dar. Es sind Landschaftsfotografien die „von einer tief empfundenen und selbstverständlichen Liebe zur Natur zeugen. Der Fotograf erspürt für sich den innersten Kern des landschaftlichen Eindrucks, um diesen im Bild so zu manifestieren, dass der Betrachter ihn mit seinem Empfindungsreichtum und reflektorischen Fähigkeiten zu interpretieren vermag.“ (Hans-Peter Jakobson, 2016). Die zu verschiedenen Tageszeiten aufgenommene Flusslandschaft zwischen Elbe und Havel entfaltet in den Bildern Rüdigers ihre ganze suggestive Kraft.

Rüdigers verstärkte Experimentierfreude in seinem fotografischen Schaffen ist in den letzten Jahren vermehrt zu beobachten und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sowohl in den Serien von Dartmoor, Stonehenge und Schottland als auch in den immer wieder vertretenen Gera-Bildern wird durch eine zusätzliche Bearbeitung am Computer das Element der Verfremdung hinzugefügt. Es entstehen teilweise magisch wirkende Orte mit surrealer Kraft.

Frank Rüdiger hat sich nicht nur als Fotograf und Kurator von Ausstellungen einen Namen gemacht sondern er ist auch vielen Geraer Bürgern als Autor und Herausgeber von zahlreichen Büchern und fotohistorischen Publikationen bekannt. Eine kleine Auswahl dieser Druckerzeugnisse wird ebenfalls präsentiert.

Zur Ausstellung erscheint ein zweiundsiebzigseitiger Katalog.

Für die Unterstützung sei der Thüringer Staatskanzlei, Abteilung Kultur und Kunst, der SV Sparkassenversicherung ART-regio sowie der Praxis für Zytodiagnostik Regina Scheler gedankt.

Ausstellung: Ansichtssachen – Bilder von Frank Rüdiger
Fotografien, Fotografiken und Fotocollagen

Pressetermin: 14. Juli 2016, 11 Uhr

Ausstellungseröffnung: 14. Juli 2016, 19 Uhr

Ort: Museum für Angewandte Kunst Gera

Ausstellungszeitraum: 15. Juli bis 3. Oktober 2016

Öffnungszeiten: Mittwoch – Sonntag/Feiertage 12 bis 17 Uhr

Greizer Str. 37, 07545 Gera, Telefon: 0365 / 838 1430, Fax: 0365 / 838 1432, E-Mail: musak@gera.de