Ulrike Schönthier, zuständig für die Musikabteilung der Bibliothek, packt die ersten Pakete mit neu erworbenen Musiknoten für Lehrende, Lernende und Musizierende aus. Das Projekt sieht für die Aktualisierung und Ergänzung des Notenbestandes rund 4.800 EUR vor. (Silke Hammer / Stadt- und Regionalbibliothek)


Gemeinschaftsprojekt der Musikschule „Heinrich Schütz“ und der Stadt- und Regionalbibliothek Gera – Förderung durch Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst, die Stadt Gera und den Förderverein der Musikschule

Die Musikschule „Heinrich Schütz“ und die Stadt- und Regionalbibliothek Gera werden künftig enger zusammenarbeiten. Die örtliche Nähe beider ist dafür eine willkommene Gegebenheit. Eine umfangreiche Notenbibliothek ist im Entstehen. Karin Müller, Leiterin der Musikschule, Rainer Schmidt, Leiter der Bibliothek und Ulrike Schönthier, zuständig für die Musikabteilung der Bibliothek, ließen sich von einem gemeinsamen Projekt der Musikschule und der Bibliothek Erfurt inspirieren, welches dort 2011 die Notenbestände beider Einrichtungen zusammenführte.

Die Ausgangslage

Wer ein Instrument spielt weiß, um bestimmte Musikstücke spielen zu können, braucht man entsprechende Noten. Kaufen ist teuer, Noten kopieren meist illegal, da es das Urheberrecht der Künstler verletzt. Mit geliehenen Originalnoten lassen sich diese Probleme leicht lösen. Öffentliche Bibliotheken wie die Geraer Stadt- und Regionalbibliothek bieten seit Jahren Noten zum Ausleihen an. Der derzeitige Bestand der Geraer Musikbibliothek umfasst rund 7.700 Noten aus nahezu allen Bereichen von Klassik über Folk, Rock und Pop bis hin zu Jazz und Filmmusik, in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen – für Anfänger und Profis.

Die Musikschule „Heinrich Schütz“ verfügt seit ihrer Gründung 1954 über einen eigenen Notenbestand. Dieser konnte in sechs Jahrzehnten musikalischer Bildungsarbeit kontinuierlich erweitert werden. Einen Bibliothekar/in zur sachgerechten Führung der Bibliothek gab es nicht. Versuche, den Bestand professionell zu verwalten und zu nutzen scheiterten am nicht vorhandenen fachlichen Personal. Es blieb der Wunsch nach einer nach üblichen Standards funktionierenden Musikbibliothek – offen für Lehrer und Schüler.

Das Projekt: Gute Noten für alle!

Im Frühjahr startete ein gemeinsames Projekt der Geraer Musikschule und der Bibliothek, welches künftig beide Notenbestände vereint – inhaltlich aufbereitet und erschlossen, gut recherchierbar über den öffentlichen Onlinekatalog der Stadtbibliothek (OPAC) und ausleihbar für jeden, der einen Bibliotheksausweis besitzt. Gefördert wird das Projekt durch die Staatskanzlei Thüringen, Abteilung Kultur und Kunst, die Stadt Gera und den Förderverein der Musikschule.

Ehrenamtliches Engagement

Nach Sichtung der Bestände zogen rund 3.000 Notenexemplare der Musikschule vom Biermannplatz um in die Bibliothek am Puschkinplatz. Alle diese Noten müssen nach bibliotheksspezifischen Richtlinien für die Nutzung erschlossen und zur Aufbewahrung im Magazin der Bibliothek gekennzeichnet werden – ein enormer Arbeitsaufwand, aus eigenen Kräften für die Bibliothek nicht machbar. Deshalb sieht das Projekt auch die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer vor. Drei ehemalige Mitarbeiterinnen der Bibliothek sind überzeugt vom Mehrwert der gemeinsamen Notenbibliothek und erfassen und katalogisieren in ihrer Freizeit die Noten der Musikschule. Lisa Warnstedt, selbst seit vierzehn Jahren Schülerin an der Geraer Musikschule, nutzt ihre freie Zeit zwischen Freiwilligenjahr und Studium, um ebenfalls beim Einarbeiten der vielen Noten zu helfen. Sie kennt beide Einrichtungen gut, ist seit ihrer Kindheit Bibliotheksnutzerin und freut sich über das Zusammenwachsen der Notenbestände. Sie spielt Akkordeon, Klavier, Blockflöte und Bassgitarre und kann aus dem beträchtlichen Fundus schöpfen. Dank des Engagements der ehrenamtlichen Helfer sind bereits zwei Drittel der Musikschulnoten im Katalog zu finden – bis Ende des Jahres soll das Projekt abgeschlossen sein.

Neue Noten und Zugewinn für alle

Dieser Tage trafen auch die ersten Pakete mit neu erworbenen Musiknoten für Lehrende, Lernende und Musizierende in der Bibliothek am Puschkinplatz ein, denn für die Aktualisierung und Ergänzung des Notenbestandes sieht das Projekt rund 4.800 Euro vor.

Bereits jetzt sind sich die Projektpartner darin einig, dass am Ende alle profitieren werden: Die Bibliothek erweitert ihre Musikabteilung und den Kreis ihrer Nutzer. Der Musikschule stehen die gesamten Noten, nach gängigen Bibliotheksstandards sortiert, zur Verfügung. Der neu angeschaffte Notenbestand ist spezifisch auf den Unterricht der Musikschule abgestimmt. Notenkopien können vermieden werden und das Urheberrecht wird somit besser gewahrt. Auch sozial schwache Familien können zum jeweils gültigen Mitgliedsbeitrag der Bibliothek eine breite Notenauswahl nutzen. Der interessierte Bürger kann aus einem reichen Notenschatz wählen, um selbst zum Musizierenden zu werden – zur eigenen Freude oder zur Freude anderer.

Mehr Informationen zur Bibliothek unter:http://www.biblio-gera.de