„Tierisch, tierisch“ am 9. November aus Gera

Navi:/„Tierisch, tierisch“ am 9. November aus Gera

„Tierisch, tierisch“ am 9. November aus Gera

Von | 2016-11-03T15:03:35+00:00 3 November 2016|Kategorien: Allgemein|Tags: , , |

Im Geraer Tierheim wurde diese Woche die 944. MDR-Sendung „Tierisch, tierisch“ aufgezeichnet. Ausgestrahlt wird sie am 9. November, 19.50 Uhr. Unter anderem stellt Tierpflegerin Kathrin Rosenkranz (rechts) Katze Lena vor. Moderiert wird die Sendung von Uta Bresan.(Stadtverwaltung/Steffen Weiß)


Rund 130 Tiere, darunter 25 Hunde, 20 Kleintiere und rund 85 Katzen – das Tierheim Gera platzt derzeit aus den sprichwörtlichen Nähten. „Das Problem ist, dass in Gera zu viele Katzen geboren werden. Unsere Katzenquarantäne und das Katzenhaus sind voll. Wir sind froh über jeden Tag, an dem keine Katze gefunden wird“, so die Tierheimleiterin Bärbel Zimmer. Etwa 80 Prozent der Katzen im Tierheim sind ursprüngliche Freigänger, die genau genommen nicht ins Tierheim gehören. Deutlich macht das auch dieser Vergleich: Bei 100 Fundhunden melden sich etwa 70 Besitzer im Tierheim – bei 100 Katzen nur einer! „Und die Katzen, die tatsächlich vermisst werden, kommen eigenartigerweise nicht bei uns an“, kommentiert die Chefin das Dilemma.

Wenn das Tierheim an seine räumlichen Kapazitäten stößt, freut es Bärbel Zimmer umso mehr, dass das MDR mit einem Fernsehteam im Geraer Tierheim aufschlägt. „Tierisch, tierisch“ nennt sich die Erfolgssendung, die seit über 20 Jahren wöchentlich einmal Schützlinge aus Tierheimen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt mit dem Ziel vorstellt, sie zu vermitteln. Von Beginn an wird die Sendung von Uta Bresan moderiert, die viele auch als Sängerin kennen. Als große Tierfreundin ist ihr die Sendung wie auf den Leib geschneidert. Sie freut sich immer, wenn ihre kleinen Freunde ein neues Zuhause finden.

Aber bevor auch nur ein Hund über den Bildschirm rennen oder ein Kätzchen schnurren kann, ist es ein hartes Stück Arbeit. „Es braucht Geduld und Zeit, viel Zeit. Wir hören erst mit dem Drehen auf, wenn alles im Kasten ist. Erfahrung spielt dabei natürlich eine große Rolle. Mit der Zeit bekommt man eine Ahnung dafür, wann der richtige Moment für das richtige Bild kommt“, so Autor Dirk Hillitzer, seit 2002 im Tierisch-tierisch-Team. Und seine für Viele wahrscheinlich erstaunlichste Erfahrung: „Es gibt keine bösen Hunde!“. Zum Beweis könnte er Dutzende Fotos vorlegen, auf denen er kuschelnd mit den sogenannten Listenhunden querbeet durch Mittelthüringen abgebildet ist. Das gelingt ihm selbst dann, wenn – wie in Stendal geschehen – eine gefährliche Rottweilerhündin zudem noch als Männerhasser angekündigt wird.

In Erinnerung sind dem Autor nicht nur die pseudodramatischen Erlebnisse geblieben. „Die Sendung zu produzieren macht sehr viel Spaß“ und kommt im gleichen Atemzug auf den Kameramann Ronald König zu sprechen. „Er wartete wieder einmal mit Engelsgeduld, dass die aufzunehmende Katze aus ihrem Körbchen lukt. Minuten vergingen. Sie regte sich nicht. Stattdessen kam ihm von hinten eine andere Katze auf die Schulter gesprungen. Er hat sich dabei so erschrocken, dass er die komischsten Töne von sich gegeben hat!“ Die waren übrigens derart genial, dass sie Hillitzer danach monatelang als Klingelton auf seinem Handy verwendet hat.

Das bis zu achtköpfige Fernsehteam freut sich immer, im Geraer Tierheim drehen zu können. „Es ist nicht so, dass es Tierheime gibt, zu denen wir nicht wollen. Aber es gibt schon Unterschiede. Und hier in Gera werden wir jedes Mal sehr freundlich aufgenommen und bekommen jegliche Unterstützung für die doch recht aufwändigen Dreharbeiten. Die Tierheim-Mitarbeiter opfern für uns viel Zeit. Schließlich wissen wir auch, dass wir den normalen Betrieb stören“, so Hillitzer.

Eine nette Erfahrung hat diesmal auch Kameramann Ronald König gemacht, der schon unendlich viele Tiere vor der Linse hatte. Die Betonung liegt dabei auf „vor“ der Linse. Als Kameramann bedarf es eines gewissen Abstands. Für gewöhnlich kommt es dabei nicht zu einem persönlichen Kontakt mit den Tieren. Herdenschutz-Mischlingsrüde „Flash“ hat keine Ahnung davon. Von vielen Tierheimbesuchern eher als Hund mit angeblich gefährlichem, bösem Blick verschrien, ging der Vierbeiner lieber auf Kuschelkurs mit dem Kameramann. Und weil Flash lieber kuschelt, als vor der Linse zu posieren, dauert der Dreh mit ihm auch schon mal einen halben Tag.

Ein paar Minuten Pause für das Drehteam und die Tierheimchefin. Aber auch in diesem Moment findet Bärbel Zimmer keine Ruhe, das bereits kalt werdende Mittagessen zu sich zu nehmen. An der der Pforte ruft ein älterer Herr. Es muss wohl ein guter Bekannter sein – die Begrüßung fällt herzlich aus. Er braucht Tragehilfe: Zwei Kartons randvoll mit Katzenfutter. Eine Selbstverständlichkeit für Jürgen Senf. Aller paar Wochen taucht der Geraer im Tierheim auf und bringt Katzenfutter, manchmal auch eine kleine Spende. Er gibt sein Geld lieber für die vierbeinigen Freunde aus, als es auf seinem Konto versauern zu lassen. „Das letzte Hemd hat keine Taschen“, kommentiert er schmunzelnd.

Das sind die menschlichen Gesten, von denen das Tierheim lebt. Jürgen Senf ist nur ein Beispiel von vielen. Dabei kommt Bärbel Zimmer auch auf die Gassigeher zu sprechen: „Wir haben mittlerweile so viele Gassigeher, dass sie ihre Hunde reservieren müssen. Das ist die Abwechslung, die die Hunde brauchen“, meint sie überglücklich.

Sorgenvoller wird ihr Blick, wenn sie an den bevorstehenden Winter denkt. Weihnachten ist dabei nur ein Thema. Die Tierheimchefin mahnt jetzt schon, keine Tiere unter den Weihnachtsbaum zu setzen. Allzu oft ist die Freude über das Geschenk nach wenigen Wochen verflogen. Und dann? Die traurige Antwort dürfte bekannt sein. Etwas Bange hat Bärbel Zimmer zudem davor, dass ein harter Winter kommen könnte. Die bauliche Substanz des Tierheims ist seit dem Hochwasser im Juni 2013 nicht mehr die beste: „Hoffentlich steigt die Heizung nicht aus“, macht sie sie sich Sorgen.

Das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels kommt übrigens vom Nachbargrundstück Richtung Bahndamm. Ein sich ständig drehender Baukran und das Gewusel auf der Baustelle zeugt davon, dass es hier vorwärts geht: Hier entsteht das neue und langersehnte Tierheim. Der Stadt Gera ist es gelungen, für das vom Hochwasser 2013 stark betroffene Tierheim einen Ersatzneubau errichten lassen zu können, der zu 100 Prozent aus Mitteln der Aufbauhilfe Hochwasser finanziert wird. Die Bauarbeiten für das 2,5-Millionen-Objekt haben vor anderthalb Monaten begonnen und schon stehen die ersten Außenwände. Die gesamte Neugestaltung des Tierheims steht im Einklang mit der vom Freistaat Thüringen beabsichtigten naturnahen Gewässerentwicklung der Elster.

Nicht nur, dass die Tiere künftig ein modernes Gebäude, dessen Höhenordnung 30 Zentimeter über dem sogenannten Höhenabflusswert eines 100-jährigen Hochwasser liegt, bekommen. „Auch die Innenausstattung wird richtig schön im Sinne der Tiere“, freut sich Bärbel Zimmer. So wird es für Katzen und Kleintiere keine Käfighaltung mehr geben. Es wird Freiluftboxen und Flugvolieren geben. Die Katzen kommen vom Fußboden weg an die Wände. „So, wie Katzen es mögen. Das ist für die die Tiere auch stressfreier“, weiß die Tierheimchefin. Und die Hunde bekommen mehr Spielmöglichkeiten im Außenbereich, unter anderem mit einem Agilityparcours.

Beim Thema neue Innenausstattung kommt wieder eine Gönnerin des Tierheims ins Spiel. Man nennt sie liebevoll nur Oma Gerda. Die betagte Frau hat jahrelang ältere Katzen aus dem Tierheim bei sich aufgenommen. Die Katzenliebhaberin wollte dem Tierheim aber auch darüber hinaus noch Gutes tun. So erklärte sie sich bereit, ein neues Fahrzeug für das Tierheim zu bezahlen. Bärbel Zimmer konnte es kaum fassen. Ein Mercedes Citan wurde bestellt. Aber ehe das Fahrzeug im Autohaus zur Abholung bereit stand, ist die 77-jährige Seniorin im vergangenen Frühjahr leider verstorben. Ein Schock! Wie sollte jetzt das Auto bezahlt werden? Die erlösende Nachricht: Oma Gerda hat den Förderverein des Tierheims zum Alleinerben gemacht. Dabei handelt es sich um sage und schreibe 80.000 Euro! „Oma Gerda hat sich immer gewünscht, dass es den Tieren, bis sie ein neues Zuhause finden, gut geht und sie sich wohl fühlen. Dementsprechend wird ihr Geld in die neue Innenausstattung für die Katzen, Kleintiere und Vögel investiert“, versichert Bärbel Zimmer.

Aber noch müssen sich die Schützlinge und deren Betreuer gedulden. Die Fertigstellung der baulichen Anlagen ist Mitte nächsten Jahres geplant. So sendet das MDR „Tierisch, tierisch“ am 9. November, 19.50 Uhr, noch aus dem alten Tierheim. Das wird für Moderatorin Uta Bresan die 944. Sendung. Und ihr wird auch nach etwa 7600 vorgestellten Tieren aus Mitteldeutschland nicht langweilig: „Jedes Tier ist anders. Jedes Tier ist einzigartig, ein Individuum“. Am liebsten würde sie alle Schützlinge selbst mitnehmen. Aber das geht natürlich nicht. So ist die Freude umso größer, dass nach ihrer Auskunft die Vermittlungsquote bei durchschnittlich 85 Prozent liegt. Das macht die Tierliebhaberin glücklich. Und das gibt ihr auch den Antrieb, die Fernsehsendung über so viele Jahre hinweg zu produzieren. Dabei stört es sie auch nicht, wie diesmal in Gera, für die Anmoderation im Regen zu stehen. Sich richtig anzuziehen, schließlich gehen auch die Vierbeiner mit ihr nicht immer zimperlich um, hat sie nach den ersten Sendungen schnell gelernt.