Karsten Pehlke rammt mit schwerem Gerät die erste Spundbohle links der Weißen Elster ins Erdreich. Hier entsteht eine Hochwasserschutzmauer für den Ortsteil Heinrichsgrün. Bauherr ist die TLUG, deren Präsident Prof. Martin Feustel gemeinsam mit Geras Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn den offiziellen Startschuss gaben.(Stadtverwaltung/Steffen Weiß)


 

Die erste Spundbohle für die Hochwasserschutzmaßnahmen im Abschnitt Tschaikowskistraße zwischen Heinrichsbrücke und Textimasteig ist gerammt. Zum offiziellen Baubeginn hat Karsten Pehlke, Referatsleiter Wasserbau der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG), im Beisein der Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn, des Präsidenten der TLUG, Prof. Martin Feustel, Mitarbeitern des Planungsbüros Lahmeyer Hydroprojekt (LHP) sowie der Baufirma Umwelttechnik und Wasserbau Kahla und interessierten Anwohnern die schwere Maschine bedient.

„Der Hochwasserschutz in der Stadt Gera ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Unsere Bürger und unsere schöne Stadt vor den Launen der Natur zu beschützen, ist ein Anliegen, welches uns täglich in der Stadtverwaltung beschäftigt“, so die Oberbürgermeisterin. In ihren Worten verwies sie darauf, dass seit dem zerstörenden Hochwasser im Juni 2013 viel getan wurde. Schutzmauern wurden errichtet, Brücken saniert und Straßen erneuert. Auch das Otto-Dix-Haus kann nach mehrmonatiger Sanierung kommende Woche rechtzeitig zu Dix‘ 125. Geburtstag eingeweiht werden. Gleichwohl bemerkte die Oberbürgermeisterin, dass es bezüglich des Hochwasserschutzes und der Aufarbeitung der Hochwasserschäden noch jede Menge zu tun gebe. Umso erfreuter zeigte sie sich, dass jetzt mit den Bauarbeiten in Heinrichsgrün begonnen werden konnte.

Der Schutz der Stadt Gera vor Hochwasser ist Teil des Landesprogramms Hochwasserschutz 2016 bis 2021, das durch die Umweltministerin, Anja Siegesmund, im März 2016 vorgestellt wurde.

Bis 2021 umfasst es ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 280 Millionen Euro, das aus europäischen, Bundes- und Landesmitteln finanziert wird. Hiervon sollen, verteilt auf neun Abschnitte, 30 Millionen Euro in den Hochwasserschutz der Stadt Gera investiert werden.

Unmittelbar nach dem Hochwasser 2013 wurden umfangreiche Schäden an den Gewässern und Anlagen beseitigt. Außerdem standen für die Stadt Gera umfassende Planungsaufgaben im Bereich des Hochwasserschutzes an, in deren Zuge das Hochwasserschutzkonzept für das gesamte Stadtgebiet überarbeitet wurde.

Gleichzeitig beauftragte die TLUG Planungen zur Herstellung des Hochwasserschutzes (Liebschwitz bis Cubabrücke), und es wurde eine Geschäftsbesorgung mit der Thüringer Landgesellschaft (ThLG) als Dienstleister abgeschlossen. Für den Bereich Untermhäuser Brücke bis Cubabrücke werden gegenwärtig die Genehmigungsunterlagen erstellt.

Neben dem bereits abgeschlossenen Bauabschnitt Faulenzerweg wurde auch der Hochwasserschutz Debschwitz errichtet. Aktuell läuft der Umbau des Debschwitzer Wehres, um eine höhere Abflusskapazität zu gewährleisten. Ziel ist es, in der Stadt Gera den Hochwasserschutz bis 2021 auf die aktuellen Bemessungswerte anzupassen und diesen somit deutlich zu verbessern.

Information zum betroffenen Abschnitt

Die gegenwärtige Maßnahme betrifft den Hochwasserschutz linksseitig der Weißen Elster. Auf einer Länge von 650 Metern wird entlang der Tschaikowskistraße eine Hochwasserschutzwand aus Stahlbeton errichtet. Die Mauer wird auf Spundwänden gegründet. Zur Unterbindung des Rückstaus aus der Weißen Elster werden zusätzlich in der Bachstraße und am Faulenzerweg Geländeanhebungen vorgenommen, so dass der Ortsteil Heinrichsgrün in Zukunft vollständig geschützt ist. Eine besondere Herausforderung stellen hierbei die nahegelegene Wohnbebauung, die zahlreichen Leitungsquerungen unter dem Gewässer und gleichzeitig laufende Baumaßnahmen privater Träger dar.

Die Mauer wird entlang der Straße eine mittlere Höhe von 90 Zentimeter aufweisen. Durch den Einsatz von Strukturmatrizen und die vorgesehene Einfärbung des Betons wird der Charakter des Wohngebietes aufgenommen. Die im Rahmen der Baufeldfreimachung gefällte Lindenallee wird ersetzt. In der Wand wird auf Höhe des Pöppelner Steges eine Öffnung mit Hochwasserschutztor und Dammbalkenverschluss angeordnet, um den Zugang zur Brücke zu gewährleisten.

Zur Sicherstellung der Entwässerung im Hochwasserfall werden hinter der Mauer zwei Pumpenschächte errichtet, welche ab einem bestimmten Wasserstand das anfallende Drainage- und Niederschlagswasser in die Weiße Elster pumpen. Die Einleitungen werden mit Rückschlagklappe und Schieber ausgerüstet. Der Betrieb der Anlagen wird in der Zukunft durch die Stadt und den Zweckverband erfolgen.

Zur Finanzierung des Vorhabens werden EFRE-Fördermittel und Landesmittel eingesetzt.

Der Schutzgrad der neuen Anlage wurde auf der Grundlage aktueller Daten für ein statistisch einmal in hundert Jahren wiederkehrendes Hochwasser ausgelegt. Die TLUG veranlasste nach dem Hochwasser 2013 aufgrund geänderter Bemessungsgrundlagen eine komplette Überarbeitung des Hochwasserschutzkonzeptes und der Planung.

Die Planung und Bauüberwachung erfolgt durch das Ingenieurbüro Lahmeyer Hydroprojekt aus Weimar. Mit der Bauausführung ist die Baufirma Umwelttechnik und Wasserbau aus Kahla beauftragt. Die Arbeiten sollen im Dezember 2017 abgeschlossen sein.

Die TLUG dankt allen Mitwirkenden für die bisher geleistete Arbeit, insbesondere der Stadt Gera, den Planern und Ausführenden sowie allen beteiligten Bürgern für Ihr Engagement. Für diesen und die folgenden Bauabschnitte in der Stadt hofft die TLUG weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.

„Die Hochwasserschutzwand dient vor allem dazu, die Menschen in Heinrichsgrün zu schützen. Ich hoffe sehr, dass sie sich nach Ende der Bauarbeiten wieder uneingeschränkt wohlfühlen in Ihrem Zuhause, ohne Angst haben zu müssen, wieder vom Wasser überrascht zu werden. Für den Verlauf der Bauarbeiten hoffe ich, dass alles reibungslos und planmäßig ablaufen wird und dass wir in einem Jahr einen weiteren Haken hinter ein abgeschlossenes Hochwasserprojekt setzen können“, betonte die Oberbürgermeisterin abschließend.