Emotionaler Moment für ein Ehepaar aus New York

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Emotionaler Moment für ein Ehepaar aus New York

Von | 2018-03-14T18:21:38+00:00 14 März 2018|Kategorien: Allgemein|Tags: , |

In Gera wird an ihre Familie und weitere NS-Opfer mit Stolpersteinen erinnert

Bereits zum neunten Mal wurden heute in Gera Stolpersteine verlegt. Die Idee, durch im Pflaster eingelassene Steine mit Namen und Lebensdaten an ehemalige jüdische Mitbürger zu erinnern, stammt von dem Künstler Gunter Demnig aus Köln. Im Rahmen seiner europaweiten Aktion wurden durch ihn heute zwölf neue Stolpersteine an drei Standorten dauerhaft in Gehwege vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Opfer gesetzt.

Am Johannisplatz 1+3 gegenüber dem Rutheneum wird an Familie Falkenstein erinnert. Der jüdische Kaufmann Theodor Falkenstein war verheiratet mit Rosa. Er betrieb 1906 bis 38 ein Ladengeschäft mit Herrenkonfektion in exzellenter Lauflage. Sie hatten zwei in Gera geborene Kinder. Sohn Herbert floh bereits 1931 nach England. Tochter Anneliese wurde Zahnkeramikerin. Im Haushalt lebte auch Großvater Julius. Am 11. August 1938 gelang der ganzen Familie die Flucht von Bremen nach Melbourne. Nur Großvater Julius starb im gleichen Jahr 90-jährig im Berliner Jüdischen Hospital. Der Johannisplatz 1+3 war die Geschäftsadresse. Das Haus ist heute noch gut erhalten. Zur Miete wohnten sie in der Burgstraße 5. Das Haus befand sich 100 Meter südlich, wurde 1945 schwer zerstört und später abgetragen.


Während Gunter Demnig unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Stolpersteine verlegte, mahnte Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn: „Die Stolpersteine sind ein Achtungszeichen, nicht über die Geschichte hinwegzugehen. Sie machen uns nachdenklich und sind uns Mahnung, achtsam miteinander umzugehen und sensibel zu sein, um Extremismus jeglicher Colour entgegenzutreten“. Sie bedankte sich bei allen, die sich für die Stolpersteine in Gera engagieren. An erster Stelle steht hierbei Matthias Weibrecht. Der Geraer Zahnarzt gehört von Beginn zur Gruppe derer, die sich für die Mini-Denkmale für Opfer der NS-Zeit in Gera stark machen.

Zwei weitere Stolpersteine wurden vor der Zschochernstraße 41 dem kinderlosen Ehepaar David und Deborah Spiegel gewidmet. Eigens für diese Stolpersteinverlegung und die darauf folgende in der Arndtstraße 3 sind Susan Maier und Daniel Sieg aus New York angereist. Susan Maier ist die Tochter von Bertha Spiegel, der ein Stolperstein in der Arndtstraße gewidmet wird.

David Spiegel musste am 10. November 1938 in „Schutzhaft“ nach Buchenwald. Das Ehepaar verlor seine Wohnung und wohnte zuletzt zur Untermiete im Steinweg 15. Das kinderlose Ehepaar wurde am 10. Mai 1942 nach Belzyce deportiert und wenig später ermordet.

Fünf Stolpersteine sind in der Arndtstraße 3 der Familie des Bruders von David Spiegel, Jakob Spiegel, gewidmet – dem Großvater von Susan Maier. Er hatte gemeinsam mit Sara Spiegel drei in Gera geborene Kinder: Bertha, Norbert und Siegmund. Diese flüchteten als junge Erwachsene 1935, 1936 und 1938 in die USA. Bertha ist eine der jüdischen Kinderärztinnen von Gera.

David Spiegel musste am 10. November 1938 in „Schutzhaft“ nach Buchenwald. Das Ehepaar verlor seine Wohnung und wohnte zuletzt zur Untermiete im Steinweg 15. Das kinderlose Ehepaar wurde am 10. Mai 1942 nach Belzyce deportiert und wenig später ermordet.

Fünf Stolpersteine sind in der Arndtstraße 3 der Familie des Bruders von David Spiegel, Jakob Spiegel, gewidmet – dem Großvater von Susan Maier. Er hatte gemeinsam mit Sara Spiegel drei in Gera geborene Kinder: Bertha, Norbert und Siegmund. Diese flüchteten als junge Erwachsene 1935, 1936 und 1938 in die USA. Bertha ist eine der jüdischen Kinderärztinnen von Gera.



Am 28. Oktober 1938 wurden Jakob und Sara Spiegel nach Polen ausgewiesen. Von Bentschen mussten sie in ein Lager nach Posen. Von dort flüchteten sie im Sommer 1939 weiter nach Lemberg, wo sie nach dem Einmarsch der Wehrmacht an einem unbekannten Tag nach dem 29. Juni 1941 ermordet wurden. Norbert Spiegel wurde berühmter Brigadegeneral der israelischen Streitkräfte. Siegmund Spiegel war bis ins hohe Alter referierender Zeitzeuge des Holocaust und hat dabei bestimmt auch seine Heimatstadt Gera erwähnt. Die beiden Familien Spiegel lebten rund 30 Jahre in Gera, bevor sie von hier vertrieben und ermordet wurden.

„Mir ist es sehr wichtig, die ehemalige Heimatstadt meiner Eltern und Großeltern kennenzulernen“, so Susan Maier, die sichtlich bewegt an der Stolpersteinverlegung teilnahm. Für sie war es nicht leicht, die Erinnerungen Revue passieren zu lassen, die Geschichten der Familienmitglieder vorgetragen und Fotos gezeigt zu bekommen. Dennoch äußerte sie eine gewisse Zufriedenheit, auf welche Art und Weise ihrer Familie und den weiteren NS-Opfern hier in Gera gedacht wird.

Vier Tage weilt das New Yorker Ehepaar in Gera. Bürgermeister Kurt Dannenberg nutzte die Chance bei einem kleinen Empfang im Rathaus, die Stadt Gera vorzustellen. Ebenso wurde über die aktuellen deutsch-amerikanischen Beziehungen und über die Partnerstadt Fort Wayne gesprochen. Besucht hat das Ehepaar unter anderem das Stadtmuseum und eine Veranstaltung im Theater. Bevor es dann wieder zurück nach New York geht, steht noch Dresden auf ihrem Besichtigungsplan.

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