Erfurt streckt die Hand aus – Sommertour von Ministerin Birgit Keller

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Erfurt streckt die Hand aus – Sommertour von Ministerin Birgit Keller

Von |2018-08-06T20:00:54+00:006 August 2018|Kategorien: Allgemein|Tags: , |
Es bedarf in Gera nicht zwingend eines Elster-Hochwassers, damit ein Schulkeller unter Wasser steht. Und nein, es ist auch nicht die Rede von der Dix-Schule in Untermhaus, sondern von der bergauf stehenden Ostschule. Verantwortlich für die nassen Füße im Schulgebäude ist die marode Haustechnik. Und dennoch scheint das Dilemma sogar etwas Gutes zu haben. Denn die nassen Füße hat sich Birgit Keller geholt – sozusagen etwas Nachdruck dafür, dass an dieser Schule der Handlungsbedarf dringend ist.

Birgit Keller ist Thüringens Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft. Bereits den dritten Sommer in Folge bereist sie den Freistaat. Bei der diesjährigen Tour ist Gera eine von 16 Stationen. Sie interessiert sich dabei unter anderem dafür, wie das Geld der Steuerzahler verwendet wird beziehungsweise für anstehende Investitionen verwendet werden soll.

Der marode Keller der Ostschule stand beim Besuch der Ministerin unter Wasser (Stadtverwaltung/Steffen Weiß)

Und so werden die nassen Füße zur hautnahen Erfahrung, dass es an der Ostschule einen Investitionsstau gibt. Kein Wunder: Das Gebäude wurde 1906 errichtet. Spätere Anbauten weisen erhebliche Mängel auf und stehen im Widerspruch zum Gesamtbild. Alte Ausbauelemente sind verschlissen und bedürfen der Erneuerung. Brandschutztechnisch bestehen erhebliche Mängel und, und, und. Dass nicht nur Geld dafür benötigt wird, die Schule zu sanieren, wird in dem großen Raum deutlich, der angeblich eine Turnhalle sein soll. Ein paar wackelige Kletterstangen, die Sitzbänke, Markierungen auf dem eigenartigen Fußboden und ein aufgehängtes Schild mit dem Verbot, Bälle gegen die Decke zu spielen, zeugen davon, dass es sich tatsächlich um eine Turnhalle handeln muss. Ansonsten hätte man es eher nicht vermutet. Viel Spaß beim Sport bei diesen Temperaturen – schließlich können nicht mal die Fenster geöffnet werden, ohne dass deren Absperrgitter dann mitten ins viel zu kleine Spielfeld ragen.

Das ist das, was Ministerin Keller mit eigenen Augen an der Ostschule sehen konnte. Vom neuen Interimsschulleiter Horst Röhnert und Oberbürgermeister Julian Vonarb hat sie dann noch erfahren, dass die Unattraktivität dieser Schule bereits Folgen hat. Selbst Schüler, die nur einen kurzen Fußweg zur Ostschule hätten, melden sich an anderen Regelschulen der Stadt an und nehmen weitere Wege in Kauf. Da helfe selbst nicht, dass die Lehrer eine sehr gute Arbeit leisten und ihre Schule hochhalten. Weiterer Fakt ist, dass die Ostschule die steigenden Schülerzahlen absichern soll. Während es 2002/2003 nur 550 Grundschul-Starter in Gera gab, sind es in diesem Jahr bereits über 800. Zurzeit fangen Schulen der freien Träger die hohe Nachfrage ab und die Stadt mietet teure Grundschulplätze an. An der Ostschule würde durch die Sanierung das Problem gelöst, denn dort sollen künftig auch Grundschüler unterrichtet und im Hort behütet sein.

Ministerin Keller wurde an der Ostschule nahegelegt, dass weitere Fördermittel aus der Städtebauförderung sowie weitere Fördermöglichkeiten wünschenswert und erforderlich sind, um das gesamte Schulbauvorhaben inklusive Neubau einer Zweifeld-Sporthalle und Neugestaltung der Freiflächen realisieren zu können. Auch wenn vor Ort von Birgit Keller und ihrem mitreisenden Team die Lösung noch nicht aus der Tasche gezaubert werden kann, so können die Geraer doch guter Hoffnung sein: „Bildung ist die Stelle, wo wir ansetzen müssen. Schließlich sind Kinder unsere Zukunft“, so die Ministerin.

Nicht ganz so dramatisch wie die Ostschule, aber dennoch mit jeder Menge ungenutztem Potenzial, gestaltet sich die zweite Station an diesem heißen Sommertag: der Zschochernplatz. Dort startet der Stadtspaziergang die Sorge hinunter, vorbei an vielen leeren Geschäften. Das ist die Achse, die Oberbürgermeister Julian Vonarb neben dem Großprojekt Geras Neue Mitte gern wieder belebt wüsste. Und wenn er etwas beleben möchte, führt der Gang nicht nur am Horten-Kaufhaus vorbei, sondern auch hinein. Wie groß das Interesse der Geraer an ihrem alten Kaufhaus ist, hat er in den vergangenen Wochen schon mehrmals erfahren. Dabei geht es nicht einzig und allein darum, eine leerstehende Immobilie mit Leben zu füllen. Vielmehr verspricht sich Vonarb durch eine Wiedereröffnung auch einen Gewinn für die gesamte Sorge und den Zschochernplatz, der letztlich Voraussetzung für den Ringschluss über den Steinweg hinunter zum Markt ist. Vonarb liegt es fern, mit dem Horten eine Konkurrenz für das Elster-Forum und die Arcaden zu schaffen. Vielmehr möchte er alle gemeinsam an den sprichwörtlichen Tisch holen und über die weitere Entwicklung sprechen.

Vom jetzt schon bestehenden Flaniercharme des unteren Teils der Sorge geht es direkt auf den Balkon des Kultur- und Kongresszentrums mit Blick auf das große Loch der Innenstadt: Geras Neue Mitte. Oder besser gesagt: Das wäre die Fläche für Geras Neue Mitte. Ein erstes „Pflänzchen“ verkündet das, worum es den Machern geht. Der Lesegarten als jüngstes und kleines Bauprojekt wurde kürzlich eingeweiht. Und er zeugt davon, dass die Freifläche mit Leben und nicht nur mit Beton gefüllt werden soll. Nochmals im Kultur- und Kongresszentrum im Detail vorgestellt, zeigt sich die Ministerin begeistert von dem Vorhaben. Sie ist voller Lob, dass hier nicht anonyme Investoren anonyme Pläne umsetzen wollen, sondern dass die Geraer intensiv in die Planung einbezogen werden. Auch sie sieht die IBA als den richtigen Partner, das Projekt umsetzen. Jetzt liegt es am Stadtrat, dem die Rahmenplanung zur Entscheidung vorliegt, aus dem die Bebauungsplanung entwickelt werden soll.
Dass Ministerin Keller dennoch ein paar Schweißperlen bei der Vorstellung des IBA-Projektes auf der Stirn stehen, liegt weniger daran, dass die intensive Bürgerbeteiligung natürlich auch mehr Zeit kostet, sondern schlichtweg daran, dass die Klimaanlage im KuK an diesem Tag nicht angeschaltet ist. Nicht, um einer weiteren Dringlichkeit Nachdruck zu verleihen. Sondern einfach, um Kosten zu sparen. Die Klimaanlage läuft nur an Veranstaltungstagen im KuK. Baubedingt verpufft ihre Wirkung ebenso wie die der Heizung an kalten Tagen. Die Energiebilanz des Vorwendebaus fällt erschreckend aus. Durch längst überfällige Investitionen könnten die Kosten für Wärme und Strom nahezu halbiert werden. Ministerin Keller zeigte dafür ein offenes Ohr.

Der Baufortschritt am Campus ist augenscheinlich (Stadtverwaltung/Steffen Weiß)

Letzte Station an diesem Tag in Gera ist das am weitesten fortgeschrittene Projekt, der Campus. Um ihn wie geplant umsetzen zu können, sind derzeit noch nicht alle Gelder gesichert. Auch an dieser Station läuft es wie bei den vorherigen. Oberbürgermeister Julian Vonarb führt in das Thema ein, sagt, was er sich wünscht. Fachlich kompetent über die jeweiligen Details der Projekte geben seine Mitarbeiter Auskunft. Und genauso, wie Vonarb die passenden Ansprechpartner aus dem Rathaus mit auf die Tour nimmt, macht es Birgit Keller und bringt ihre notwendigen Abteilungsleiter mit. So entstehen während der Tour viele kleine Gespräche, um auf kürzestem Weg Lösungen zu finden. Dass das innerhalb der zwei Stunden noch nicht abschließend gemacht werden kann, liegt in der Natur der Sache. Aber die Grundlagen für weiterführende Gespräche in Erfurt sind gelegt. Und zu denen fährt Vonarb bereits in zwei Wochen. Er findet es gut, dass Ministerin Keller den Weg nach Gera gefunden hat. Vonarb hat die Chance genutzt, ihr zu zeigen, was mit den Fördermitteln passiert beziehungsweise passieren soll. Und im gleichen Atemzug verspricht er, das Ministerium künftig noch viel mehr in Anspruch zu nehmen.

Über den Autor:

Projektleiter bei Plakatwerbung in Gera und gera.digital (was geht in gera), Geschäftsführer bei Plakatzentrale - Pohland & Vollhardt GbR