Gera braucht 12 neue Straßenbahnen

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Gera braucht 12 neue Straßenbahnen

Von |2018-01-19T15:05:49+00:0019 Januar 2018|Kategorien: Allgemein|Tags: , , |

Die GVB Geraer Verkehrs- und Betriebsgesellschaft mbH rechnet damit, in den nächsten Jahren zwölf neue Niederflurbahnen anzuschaffen. Außerdem sind rund 40 Millionen Euro für die Sanierung der Infrastruktur notwendig. „Während nach unseren Erkenntnissen bis zum Jahr 2019 die Förderung der Investitionen im Wertumfang von rund 16 Millionen Euro als gesichert gilt, ist die Finanzierung der Investitionen ab 2020 in Höhe von 64,4 Millionen Euro als völlig offen zu betrachten. Da alle Thüringer Kommunen mit Straßenbahnverkehr vor ähnlichen Herausforderungen stehen, begrüße ich die Initiative des Erfurter Oberbürgermeisters, weitsichtig in die schon nahe Zukunft zu blicken, gemeinsam den Freistaat für dieses Thema zu sensibilisieren und miteinander unsere Forderung nach mehr Geld zu bekräftigen“, erklärt Geras Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn zum Straßenbahngipfel am 17. Januar in Erfurt.

Die GVB verfügt insgesamt über 40 Straßenbahntriebwagen, davon zwölf Triebwagen vom Typ NGT8G aus den Baujahren 2006 bis 2008, sechs Triebwagen Tatra KTNF 8 aus dem Baujahr 1990, die zwischen 1999 und 2003 mit einem Niederfluranteil ausgerüstet worden sind, sowie 22 Tatra-Triebwagen KT4D aus den Baujahren 1981 bis 1990 sowie zwei Tatra- Triebwagen, die als Ersatzteilspender dienen. Darüber hinaus verfügt die GVB über vier historische Straßenbahnen und einen Beiwagen.


Die Instandhaltung und Inspektion der Tatra-Fahrzeuge stellt eine große Herausforderung an Ressourcen und Bereitstellung von Material und maschineller Ausrüstung dar. Die Tatra-Bahnen haben einen 7-täglichen Zyklus von Wartungsdurchsichten und die jüngeren Bahnen vom Typ NGT8G einen Zyklus von 14 Tagen, so dass der laufende Aufwand für die älteren Bahnen entsprechend höher ist und auch mehr Personalressourcen bindet. Eine Aufwandsenkung ist nur durch Neubeschaffungen oder eine Reduzierung des Fuhrparks aufgrund eines reduzierten Leistungsangebotes möglich. Auch die Ersatzteilbeschaffung für die Tatra-Fahrzeuge gestaltet sich zunehmend als problematisch, da die Teile wiederholt in einer langwierigen Einzelanfertigung teuer beschafft werden müssen, zudem kommt es wiederholt zu Lieferverzug.

Ende 2018/Anfang 2019 soll eine europaweite Ausschreibung zur Beschaffung von insgesamt zwölf Niederflurbahnen mit einer Länge von 30 Metern stattfinden. Mit der Neubeschaffung sollen die alten Tatra Fahrzeuge schrittweise ausgesondert werden. Im Jahr 2021 sollen die ersten sechs Niederflurbahnen und im Jahr 2024 weitere sechs Niederflurbahnen ausgeliefert werden. Da aufgrund der Besonderheiten des Gleisnetzes in Gera große Teile der Straßenbahnen entsprechend der Spurweite und Kurvenradien erst entwickelt werden müssen, ist eine frühere Beschaffung nicht möglich. Gegenwärtig wird das Lastenheft für die neuen Fahrzeugtypen erstellt. Um die Stückkosten durch die Verteilung der Entwicklungskosten auf eine höhere Stückzahl zu senken, sollen die Bahnen gemeinsam mit der Thüringenwaldbahn und Straßenbahn Gotha GmbH beschafft werden, die ebenfalls 12 Niederflurbahnen beschaffen will. Das Investitionsvolumen pro Bahn beträgt zwischen 2,5 und 3,0 Millionen Euro. Das Investitionsvolumen für die ersten sechs Fahrzeuge, die 2021 ausgeliefert werden sollen, beträgt somit insgesamt zwischen 15 Millionen und 18 Millionen Euro. Es wird mit einer Förderquote von 70 Prozent gerechnet, so dass der Eigenmittelanteil des Verkehrsbetriebes zwischen 4,5 Millionen Euro und 5,4 Millionen Euro liegt, und der vom Freistaat Thüringen erwartete Fördermittelanteil zwischen 10,5 Millionen Euro und 12,6 Millionen Euro. Üblicherweise erfolgt nach erfolgter Ausschreibung mit der Zuschlagserteilung im Jahr 2019 eine Anzahlung von bis zu 40 Prozent des Gesamtpreises.

Mit der Auslieferung der zweiten sechs Niederflurbahnen im Jahr 2024 wächst das gesamte Investitionsvolumen auf 20 bis 36 Millionen Euro. Somit erhöht sich der erwartete Fördermittelanteil des Freistaates Thüringen auf eine Summe zwischen 21 und 25,2 Millionen Euro.

Sollten im Jahr 2021 und 2024 nicht jeweils sechs neue Niederflurbahnen beschafft werden, müssen ab dem Jahr 2021 die Tatra-Bahnen abhängig vom Baujahr sukzessive einer aufwendigen Inspektion nach Betriebsordnung Straßenbahn (BO Strab) unterzogen werden, bei der nicht nur wie sonst üblich der Wagen, sondern auch die Elektrik und Steuerung erneuert werden muss. Bei einer solch aufwendigen Inspektion ist mit Kosten von bis zu 1,2 Millionen Euro pro Bahn zu rechnen. Der Eigenmittelanteil bei einer Neubeschaffung beträgt zwischen 750.000 und 900.000 Euro, ist somit aus Sicht des Unternehmens weitaus wirtschaftlicher.

Über den Autor:

Projektleiter bei Plakatwerbung in Gera und gera.digital (was geht in gera), Geschäftsführer bei Plakatzentrale - Pohland & Vollhardt GbR

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