Suchschachtung an der Gruft der reußischen Sarkophage

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Suchschachtung an der Gruft der reußischen Sarkophage

Von |2017-08-29T18:42:33+00:0029 August 2017|Kategorien: Allgemein|Tags: , |

Auf dem Johannisplatz in Gera haben Suchschachtungen zur Gruft der reußischen Sarkophage begonnen. „Es ist ein sichtbares Zeichen, dass es mit der Wiederherstellung der Gruft vorangeht“, betonte Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn heute (29. 8. 2017) bei einem gemeinsamen Baustellenbesuch mit Heinrich XIII. Prinz Reuß und Architekt Klaus Neupert. Bis zu einer Tiefe von 4,30 Meter hatte die Fa. Adelheid Meißner Gera ausgeschachtet und dabei die Treppe und Teile der Gruft freigelegt. Die Arbeiten im Zusammenhang mit der Suchschachtung werden voraussichtlich 14 Tage in Anspruch nehmen.

Gemeinsames Ziel der Stadt Gera und des Fürstenhauses Reuß ist die authentische Aufstellung und Präsentation des Sarges von Heinrich Posthumus Reuß zusammen mit dem Konvolut der Geraer Reußen-Sarkophage – AD SANCTOS – in der Gruft und den Fundamenten der zerstörten und ältesten Geraer Stadtkirche St. Johannis auf dem heutigen Johannisplatz. Damit entsteht die Gruft am Campus Rutheneum – dem Gymnasium, das Posthumus gegründet hatte. Finanziert wird das Projekt durch das Haus Reuß und Spenden. Die Stadt Gera stellt den Grundstücksanteil bereit und erteilt die notwendigen Genehmigungen.

Der Sarkophag von Heinrich Posthumus Reuß ist ein Kulturgut von europäischem Rang. Heinrich Posthumus (1572 – 1635) hatte bereits zu Lebzeiten Vorsorge getroffen für seinen Tod und sein Begräbnis. Er hat einen der ersten beschrifteten Kupfersärge herstellen lassen, dessen Texte seine Frömmigkeit ausdrücken und die von Heinrich Schütz vertont wurden: die Musikalischen Exequien, dem ersten deutschsprachigen Requiem.


Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn hebt die Bedeutung von Heinrich Posthumus Reuß für die Stadt Gera hervor. „Er zählt zu den großen historischen Persönlichkeiten, die unsere Stadt geprägt haben. Er gründete das Gymnasium, förderte die Wirtschaft und machte Gera zu einer weltoffenen Stadt. Er war in vielen Dingen seiner Zeit weit voraus, legte die Wurzeln für den wirtschaftlichen Aufstieg, der unserer Stadt Ansehen und ihren Bürgern Wohlstand brachte. Auf diese identitätsstiftende Wirkung wollen wir aufbauen“, betont Frau Dr. Hahn.

Die ursprüngliche Johanniskirche stand am heutigen Johannisplatz. Ihre Gruft bildete die Grablege der Herren von Reuß-Gera. Bei einem Stadtbrand 1780 brannte die Kirche nieder und wurde nicht wieder aufgebaut 1824 wurde die Ruine abgebrochen. Erst im Jahr 1922 wurden die Särge der Reußen aus der originalen Gruft in die Kirche St. Salvator umgebettet. 1995 wurden die Sarkophage aus konservatorischen Gründen dort geborgen und in die neue Johanniskirche überführt. 2007 wurde das gesamte Konvolut, wiederum aus konservatorischen Gründen, in die alte Feierhalle des Ostfriedhofes umgesetzt. Diese lange ungeklärte Zwischenlösung führt dazu, dass dieses einzigartige barocke Zeugnis in seiner historischen und musikgeschichtlichen Bedeutung der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

Mit dem Bauvorhaben soll auf dem heutigen Johannisplatz in Sichtachse des Rutheneums am originalen Ort die Gruft wiederhergestellt werden, entsteht ein Informationszentrum und ein Ort der Ruhe und zum Innehalten. Den künftigen Besuchern wird ermöglicht, sich umfassend mit der Geschichte der Stadt Gera, des Hauses Reuß und der besonderen spirituellen Bedeutung von Grablegung und Funus zu beschäftigen und das Verständnis für die Bedeutung von Stadt und Region zu vertiefen.

Über den Autor:

Projektleiter bei Plakatwerbung in Gera und gera.digital (was geht in gera), Geschäftsführer bei Plakatzentrale - Pohland & Vollhardt GbR

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